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Was passiert, wenn ich mich nicht meiner Angst stelle

innere Angst

Vor ein paar Tagen, als ich telefonierte, wurde ich mal wieder mit dem Thema Angst konfrontiert. Ich bemerkte während des Telefonats, wie sie sich aufbaute und ich immer mehr von ihr eingenommen wurde. So viele Gedanken tauchten auf. “ Oh je, wie soll das nur werden.“ „Wie kann ich das schaffen?“ „Was ist, wenn …“ „Und wenn das und das eintrifft, dann ….“

Mal ganz ehrlich, Angst will keiner haben. Die wünscht man sich genauso sehnlichst, wie die Pest. Oder die nächste Steuererklärung. Aber genauso wie man die Steuererklärung dann doch irgendwann machen sollte, sollte man sich irgendwann mit seiner Angst auseinandersetzen.

Wenn man die Angst immer wieder ablehnt und verdrängt, kann es zu verschiedenen Reaktionen in deinem Körper kommen. Zu Anfang ist zwar eine Erleichterung spürbar, weil man denkt, dass  die Angst weg ist. Aber sie holt dich wieder ein.

Ich geriet immer mehr in Panik und stellte fest, dass ich in alte Verhaltensmuster rutschte. Sie nahm mich so gefangen. Ich fing an zu weinen und wollte nur noch eins: WEG!

ABER DIE ANGST ZU UNTERDRÜCKEN SCHAFFT NUR MOMENTANE ERLEICHTERUNG

Flucht ist eine ganz normale Reaktion in diesem Fall. Führt aber langfristig nicht weiter.

Stell es dir so vor, als würdest du versuchen, einen großen Ball unter Wasser zu drücken. Das klappt zu Anfang ganz gut, aber irgendwann geht deine Kraft verloren. Deine Muskeln fangen an zu zittern, dein Arm oder die Hand wird schwächer und du hast vielleicht einfach keine Lust mehr.

Was passiert, wenn du nachgibst? Der Ball springt wieder nach oben. Genau. Du kannst es immer wieder versuchen, der Ball wird immer wieder an die Oberfläche zurückkehren.

Das ist 1:1 das, was deine Angst macht. Du kannst sie nicht „runterdrücken“ oder untertauchen. Das gelingt dir für kurze Zeit, aber dann ermüdet dein Körper. Außerdem will er dir mit seinen Symptomen zeigen, dass das, was du gerade machst, nicht in Ordnung ist. Die Anzeichen, die auftauchen, kannst du als eine Art Nachrichtendienst betrachten.

WIE REAGIERT MEIN KÖRPER, WENN ICH MICH DER ANGST NICHT STELLE

Wie schon am Beispiel mit dem Ball erkennbar, kostet diese Unterdrückung der Angst oder Gefühle allgemein unheimlich viel Energie. Und ein Energiemangel führt unweigerlich zu einer Schwächung des Immunsystems, was bedeutet, dass die Konzentration nachlässt, du schneller ermüdest und anfälliger für Krankheiten wirst.

Ständige Unterdrückung ist Stress für den Körper und führt somit auch zu den bekannten Stresssymptomen, wie z.B. einem erhöhten Blutdruck, Herzbeschwerden oder Magenproblemen.

Das fiese an der Sache ist, dass man solche Symptome eher Leuten zuordnet, die äußerlich sichtbaren Stress haben, z.B. solchen, die viel arbeiten. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass sie Angst oder ihre Gefühle unterdrücken und können sich dann auch nicht die körperliche Symptomatik erklären.

Ich setzte mich aufs Fahrrad und fuhr erstmal los. Nach ein paar Kilometern konnte ich langsam wieder klarer denken. Ich setzte mich auf eine Bank in die Sonne auf meine Fahrradstange und fing an, eine Beobachterposition einzunehmen. Ich stellte mir vor, ich würde von oben auf mich hinabschauen.

In dem Moment ist es ganz wichtig, sich klar zu machen, dass nur ein Teil von mir Angst hat.

GEHE MIT DEINER ANGST IN EINEN DIALOG

Sobald mir das klar wird, kann ich wieder einigermaßen objektiv urteilen. Nicht ICH habe Angst, sondern nur ein Teil von mir. Vielleicht mein innerer Kritiker, der mich beschützen will, vielleicht ein kleines Kind in mir, was sich verlassen fühlt. Da gibt es so viele Möglichkeiten. Die sehe ich aber nicht, wenn mich diese Panik befällt und einnimmt.

All die Prophezeiungen, die sich dann in meinem verängstigten Seins-Zustand offenbaren, sind in meinen Augen Schutzmechanismen. Wofür auch immer. Egal. Aber sie sind erstmal da.

Sobald ich jedoch in die Beobachterposition gehe, erkenne ich, dass es nur ein Teil von mir ist. Und mit diesem Teil gehe ich in den Dialog.

ERSTE HILFE, WENN DICH DIE ANGST BEFÄLLT

Schritt 1

Such dir zuerst einen Platz, an dem du ungestört bist. Am besten ist es, wenn du raus in die Natur gehst und dich dabei bewegst. Erstmal bekommst du dabei wieder einen klaren Kopf und kannst Energie tanken. Außerdem hilft Bewegung, den Stress abzubauen.

Zur Not hilft dann auch die Fahrradstange als Sitzplatz. Egal.

Schritt 2

Wenn du dir ein Plätzchen gesucht hast, fang an zu atmen. Ganz bewusst durch die Nase tief in den Bauch einatmen und laut und kräftig durch den Mund ausatmen. Stell dir beim Einatmen vor, wie sich deine Lungen aufblähen und dein ganzer Atem durch den Körper bis in die Fußspitzen geht. Und beim Ausatmen stell dir vor, wie alle Spannung und negative Gedanken, all das, was du gerade nicht mehr brauchst, ausgestoßen wird.

Das machst du einige Male, bis du das Gefühl hast, ruhiger zu werden.

Schritt 3

Jetzt gehst du in die Beobachterposition. Ich kann das am besten, wenn ich mir vorstelle, dass ich mich von oben betrachte. Oder von außen. Als wäre ich jemand anderes, der mich anschaut.

Stell dir vor, du bestehst aus ganz vielen Personen, die in deinem Körper wohnen. Mein Heilpraktiker-Lehrer Mike Hellwig sprach immer von einem Kindergarten, in dem ganz verschiedene Kinder sind: ein ängstliches, ein Draufgänger, ein fleißiges, ein weises, … Die Vorstellung hat mir immer gut geholfen. Vielleicht zeigt sich dir aber auch was ganz anderes. Spür da in dich hinein und lass es zu.

Schritt 3

Wenn du den Teil in dir, der Angst hat, gefunden hast, dann lass ihn auf einen imaginären Stuhl dir gegenüber Platz nehmen.

Begrüße ihn liebevoll und lass ihn wissen, dass du ihn wahrnimmst.

Jetzt fragst du ihn, wie er sich fühlt.  Frag ihn, warum er so eine Angst um dich hat. Wovor er dich beschützen will. Was für eine Aufgabe er hat.

Schau mal, was für Antworten hochkommen. Wenn keine kommen, ist das nicht schlimm. Wenn du das öfter machst, wird es einfacher. Aber dadurch, dass du diesen Teil in dir wahrnimmst, zeigst du ihm, dass er dir wichtig ist. Dass du ihn nicht ablehnst und unterdrückst.

Wenn sich mir Antworten zeigen, dann sind das meistens die, dass mein inneres ängstliches Kind Angst um mich hat. Aus welchen Gründen auch immer. Aber allein das zu erkennen hilft mir schon. Ich muss jetzt in diesem Augenblick nicht wissen, warum. Das kann ich zu einem anderen Zeitpunkt noch intensiver behandeln.

Danke deinem inneren Kind und versichere ihm, dass du gut auf dich aufpasst.

Schritt 4

Schau dir den Satz, der dir Angst gemacht hat, nochmal genau an.

Ist er wirklich wahr?

Meistens sind es nur Gedanken, was sein könnte. Vielleicht basierend auf Erfahrungen, die wir gemacht haben oder Ratschlägen, die wir z.B. in unserer Erziehung erhalten haben. Das bedeutet aber ja nicht, dass es auch wirklich eintrifft.

Schritt 5

Richte deine Aufmerksamkeit auf angenehme Möglichkeiten, die in diesem Fall eintreffen könnten.

In meinem Beispiel:
Mein Gedanke, war (mal wieder) die Angst vor der bevorstehenden Scheidung. Dass mein Ex-Mann mir vielleicht eins auswischt und ich vielleicht …. und sowieso alles Mist ist und, und , und … Jetzt bekommt die Gedankenmühle so richtig Antrieb und das könnte jetzt so weiter gehen.

Betrachte ich den Gedanken von außen, sehe ich, dass er nicht wahr ist. Es könnte so kommen, muss es aber nicht.

Lenke ich meine Gedanken auf eine harmonische Scheidung, in der wir uns respektvoll behandeln, sieht doch alles schon ganz anders aus. Ich umgebe mich nicht mit zerstörerischen, niedermachenden Energien, sondern mit aufbauenden und kraftspendenden.

BLEIB IN DEINER KRAFT!

Ich hoffe, dass ich dir helfen konnte, dir einen Weg zu zeigen, besser mit aufkommender Angst umzugehen. Ich weiß, dass es ein langer Prozess ist und es viel Übung bedarf. Aber bleibe dran. Du schaffst das.

In diesem Sinne wünsche ich dir alle Kraft und Liebe.

 

 

Wie gehst du damit um, wenn du plötzlich mit Angst konfrontiert wirst?
Erzähl mir doch bitte davon in den Kommentaren.

 

Ich drücke dich,
deine

Kerstin

 

 

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